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02.03.2010 11:06 | Frankenthal (Pfalz) | Frankenthal (Stadt)

„Was hält unsere Gesellschaft zusammen?“

Zeitzeugen im Gespräch mit Dr. Henning Scherf

Die von Oberbürgermeister Theo Wieder initiierte Ver-anstaltungsreihe „Zeitzeugen im Gespräch“, die in loser Folge bekannte Persönlichkeiten aus Politik und Öffentlichem Leben nach Frankenthal holt, hat im März wieder einen besonderen Gast: Dr. jur. Henning Scherf, Erster Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen von 1995 – 2005.

Scherf wird 1938 in Bremen in einem protestantischen Elternhaus geboren und wächst mit mehreren Ge-schwistern auf. Sein Vater ist Mitglied der Be-kennenden Kirche, die Familie versteckt während der NS-Zeit jüdische Freunde.

Nach dem Abitur studiert er zunächst Theologie, dann Jura. Mit 25 tritt er in die SPD ein. 1971 wird er Ab-geordneter der Bremer Bürgerschaft, kurze Zeit später Landesvorsitzender der Bremer SPD. Ab 1978 über-nimmt er wechselnde Senatorenposten, beliebt bei der Bevölkerung ist er als Senator für Soziales, der für die Nöte seiner Mitbürger immer ein offenes Ohr hat. Bedingt durch Affären und Skandale verliert die SPD Ende der 80iger Jahre die absolute Mehrheit und so kommt in Bremen 1991 eine „Ampelkoalition“ aus SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen zustande. Die durch das vorzeitige Ende der „Ampel“ erforderlichen Neuwahlen 1995 führen zu einer Großen Koalition mit Henning Scherf als Erster Bürgermeister, die ihre Hauptaufgabe im Abbau der enormen Schulden des Stadtstaates sieht. Die breite Zustimmung der Be-völkerung bestätigt die Große Koalition in den nächsten beiden Senatswahlen, wobei die SPD dank der Beliebtheit Scherfs entgegen dem Bundestrend an Stimmen gewinnt.

Obwohl „bekennender Linker“ und durchaus unbequem auch in der eigenen Partei, ist das lange Bestehen des schwarz-roten Senats zu großen Teilen auf seine pragmatische Kompromissbereitschaft und sein Verhandlungsgeschick zurückzuführen. Seine breite Popularität in der Bevölkerung verdankt er seiner bürgernahen, bescheidenen Art: er verzichtet weitest-gehend auf einen Dienstwagen und ist ohne Polizei-schutz zu Fuß oder auf dem Fahrrad unterwegs.

Wie bereits bei der Wahl 2003 angedeutet, tritt Henning Scherf 2005 nach 27 Jahren in der Bremer Regierung mit der Bemerkung „er wolle nicht mit den Füßen voran aus dem Rathaus getragen werden“ von seinem Amt zurück.

Seine Vorstellung „ein Leben nach der Arbeit“ zu führen, hat er wahrgemacht: 2006 erscheint sein viel-beachtetes Buch „Grau ist bunt – Was im Alter möglich ist“, in dem er sich für ein aktives Leben nach der Berufsphase ausspricht. Die heutigen „Alten“, die oft noch 20 und mehr gesunde Jahre vor sich haben, sollten jenseits von Termindruck und Karrieredenken ihre Energie in soziale Projekte und Aktivitäten lenken.

Seine eigene Bereitschaft, hinzusehen und etwas zu tun, gibt er in dem Buch „Gemeinsam statt einsam – Meine Erfahrungen für die Zukunft“ wieder.

Er selbst und seine Frau, mit der er seit 50 Jahren ver-heiratet ist, leben mit mehreren Freunden zusammen in der Bremer Innenstadt in einer Altenwohngemein-schaft.

Die Veranstaltung, moderiert von Dieter Mauer, findet statt am Mittwoch, 24. März 2010, um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Frankenthal, Welschgasse 11. Eintritts-karten zum Preis von 6,00 € gibt es ab 1. März in der Stadtbücherei oder telefonisch unter 06233/89630.


Pressekontakt: Stadtverwaltung Frankenthal (ramona.bischer[at]frankenthal.de)
www.frankenthal.de

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