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„Mehr Wissen schützt“
Vallendar: Fachtagung für Mitarbeitende der Kinder- und Jugendarbeit zu Thema Sexueller Missbrauch
Prävention in der Kinder- und Jugendarbeit, Signale erkennen und Sprachlosigkeit überwinden. Bei der Fachtagung „Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen – Wie können wir schützen und helfen?“ haben sich 25 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende der Kinder- und Jugendarbeit aus dem Bistum Trier am 28. Januar im Haus Wasserburg, der Jugendbildungsstätte der Pallottiner, zu dem Thema informiert. Es referierte die Diplom-Pädagogin Gisela Braun, die seit 21 Jahren als Fachreferentin bei der „Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz“ des Landes Nordrhein-Westfalen tätig ist. Dabei setzte sie vor allem auf Information, Gespräche, Austausch von Erfahrungen und theaterpädagogische Arbeit. „Es ist wichtig, dass sich alle, die mit Kindern leben und arbeiten mit dem Thema ‚sexuelle Gewalt’ vertraut machen“, sagte Braun, „denn viele Täter suchen sich gezielt ein Amt um mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu kommen.“ Deshalb müsse jeder sensibel dafür sein, wie Anzeichen zu erkennen sind. Verbände und Einrichtungen müssten sich bewusst täterfeindlich gestalten.
„Prävention ist kein Projekt, sondern ein Prinzip“, sagte Braun. Es gebe nicht eine hundertprozentige wirkungsvolle Präventionsmaßnahme. „Alle Bausteine müssen zusammenkommen und ineinandergreifen.“ Eine fundamentale Grundlage sei es, Kinder zu ermutigen, sich bei Grenzverletzungen anzuvertrauen. Das ginge etwa mit Plakaten, Broschüren oder Gruppenstunden über Prävention. Die Verbände oder Einrichtungen können zudem strukturell Prävention betreiben, „wenn im Alltag eine Kultur der Grenzachtung gelebt wird im Kontakt mit Kindern und Jugendlichen, wenn Kinder daran gewöhnt sind, dass sie respektiert werden.“ Außerdem müsse Tätern signalisiert werden: „Bei uns bist du nicht willkommen“. Dies könne in Form von Ehrenerklärungen sein, oder im bewussten Anbieten von Fortbildungen zu dem Thema. „Wenn sich ein Verband kompetent aufstellt, dann wird ein Täter das Gefühl haben: ‚Die wissen mir zuviel, das ist mir zu heikel’“, sagte Braun. Zudem sei es ein Qualitätsmerkmal der Kinder- und Jugendarbeit, sich verantwortungsvoll mit dem Thema „Sexueller Missbrauch“ zu beschäftigen.
„Es ist uns wichtig als Jugendbildungshaus zusammen mit der Fachstelle Plus für Kinder- und Jugendpastoral Koblenz eine derartige Veranstaltung anzubieten“, sagte Melanie Gehenzig, Pädagogische Leiterin im Haus Wasserburg. „Damit unterstützen wir die Multiplikatoren in der Kinder- und Jugendarbeit, kompetent zu werden in der Präventionsarbeit und auf Täterstrukturen aufmerksam zu werden.“ Kirche sollte immer ein Ort sein, wo Kinder Schutz erfahren, sagte Gehenzig. „Es ist Auftrag der Kirche für ein Klima zu sorgen, das Missbrauch verhindert.“ Daher werde die Fachtagung auch im Rahmen der Gruppenleiterschulungen und dem Erwerb der „Jugendleiter-Card“ (Juleica), dem bundesweit einheitlichen Ausweis für Ehrenamtliche in der Jugendarbeit, angeboten.
„Ich hoffe, dass ich durch die Fachtagung sensibler werde, solche Fälle zu erkennen. Und dass ich einen Beitrag dazu leisten kann, dass Derartiges nicht passiert“, sagte der 18-jährige Maximilian Dahmen, der bei der Katholischen Landjugendbewegung in der Ortsgruppe Polch engagiert ist. Informationen zu erhalten war auch der Grund für Franziska Hellwig, Leiterin einer Kinder- Jugend- und Familienhilfeeinrichtung in Bendorf, an der Veranstaltung teilzunehmen: „Wir sind zwar Fachkräfte, aber speziell das Thema sexueller Missbrauch braucht ein Mehr an Informationen. Deshalb ist die Veranstaltung sehr wichtig“. Und eine Mitarbeiterin der Telefonseelsorge, die ihren Namen nicht nennen darf, wollte mithilfe der Fachtagung ein Gespür bekommen, wie sie nicht nur mit Anrufen von Opfern, sondern auch von Tätern umgehen könne. „Mehr Wissen schützt“, sagte sie, „und macht sicherer im Umgang mit anderen“.
Weitere Informationen gibt es im Haus Wasserburg, Pallottistraße 2, 56179 Vallendar, Tel.: 0261-64080, E-Mail: info@haus-wasserburg.de.
Pressekontakt: Bischhöfliche Pressestelle Trier (bipkoblenz[at]bgv-trier.de)
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