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25.05.2010 20:34 | Mainz (Stadt) | Mainz (Stadt)

Mainzer Einzelhandel trotz Weltwirtschaftskrise konstant

13. Einzelhandelsmonitoring: Zahl der Geschäfte in Altstadt leicht gestiegen

Die Anzahl der Geschäfte in der Mainzer Altstadt ist seit der letzten Erhebung im Oktober 2009 leicht gestiegen, ebenso der Filialisierungsgrad und die Leerstände. Die Stadt Mainz belegt mit dieser Bilanz erneut ihre hohe Attraktivität als Einzelhandelsstandort.
Der Mainzer Wirtschaftsdezernent Franz Ringhoffer unterstreicht, dass Mainz „einiges zu bieten“ habe. Nach wie vor setze die Stadt auf das so genannte Tripol-Konzept mit den Zentren am Brand, zwischen Kaufhof und Römerpassage sowie in der Ludwigsstraße. Dabei sei auch für das jetzige Karstadt-Areal klar, dass die Stadt nach wie vor die „Wunschvorstellung“ verfolge, dass ein Warenhaus dabei eine große Rolle spielt. Der Mainzer Einzelhandel zeigt sich trotz Wirtschafts- und Finanzkrise weiterhin stabil. Dies ergab das aktuelle Einzelhandelsmonitoring der Wirtschaftsförderung Mainz, welches im April 2010 zum nunmehr 13. Mal im Turnus von sechs Monaten im Bereich der Mainzer Altstadt durchgeführt wurde.

Das Monitoring dient der unmittelbaren systematischen Erfassung, Beobachtung oder Überwachung des Einkaufsbereiches Altstadt mittels Begehung und Kartierung. Bei der Bestandsaufnahme des Einzelhandels werden zentrale Merkmale - etwa die Branche, Name des Geschäftes sowie Leerstände oder Baustellen - kartiert.
Ziel des Monitorings bleibt es, die Gesamtsituation des Einzelhandels in der Mainzer Innenstadt aktuell darzustellen, um zu dokumentieren, wie sich der Innenstadthandel in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Dieses Mal standen die Fragestellungen im Vordergrund:
• Zeigen sich Auswirkungen der Wirtschaftskrise ?
• Wo sind positive Entwicklungen sichtbar ?
• Behält Mainz sein „eigentypisches Gesicht“?
• Sind Veränderungen im Filialisierungsgrad, bei den Leerständen und in der Branchenzusammensetzung zu erkennen?

Diese Aspekte sollen letztlich dazu führen, einen klaren Überblick über den innerstädtischen Einzelhandel in Mainz zu bekommen. Franz Ringhoffer, Wirtschaftsdezernent der Stadt Mainz: „Im Vergleich zu anderen westdeutschen Innenstädten gibt es in Mainz seit Erhebungsbeginn keinen nachweislich negativen Trend, der auf einen akuten Handlungsbedarf hinweisen würde.“

Monitoring als „Frühwarnsystem“ für Fehlentwicklungen
Die Entwicklung in Mainz sei allgemein als „stabil mit Trend zum Positiven“ zu bezeichnen. Einige Bauprojekte in der Lotharstraße, der Großen Langgasse und am Höfchen ließen zudem eine weiterhin positive Entwicklung vermuten, so Ringhoffer.
Dennoch sind die latent negativen Prognosen mit allgemein vorhandenen Umsatzrückgängen im gesamtdeutschen Einzelhandel im Auge zu behalten. Wann - und ob - in Mainz mögliche Auswirkungen sichtbar werden, kann zum derzeitigen Zeitpunkt nicht formuliert werden. Der deutsche Einzelhandelsimmobilienmarkt zählt zu den aktivsten Märkten Europas und konnte entgegen dem allgemeinen Trend in Bezug auf das Transaktionsvolumen gar zulegen.

Die regelmäßige Bestandsaufnahme „Einzelhandelsmontoring“ kann Hinweise liefern, die bei erkannten Fehlentwicklungen zu möglichen Gegenmaßnahmen führen oder neue Konzepte ermöglichen. Eine positive und attraktive Entwicklung kann aber auch als Instrument des Standortmarketings eingesetzt werden und zusätzliche Investitionen oder Kaufkraft in die Landeshauptstadt lenken.

Untersuchungsgebiet
Zum Untersuchungsgebiet zählen jene Straßen, teils nur Abschnitte, die funktional den „Einkaufsbereich Mainzer Altstadt“ ausmachen. Dazu gehören:

Augustinerstraße, Betzelsstraße, Am Brand, Dominikanerstraße, Emmeransstraße, Fischtorstraße, Fuststraße, Gaustraße, Große Bleiche, Große Langgasse, Gymnasiumstraße, Heringsbrunnengasse, Höfchen, Kirschgarten, Klarastraße, Kötherhofstraße, Am Kronberger Hof, Leichhof, Lotharstraße, Ludwigsstraße, Markt, Pfandhausstraße, Römerpassage, Schillerplatz, Schillerstraße, Schöfferstraße, Schönbornstraße, Schusterstraße, Seppel-Glückert-Passage, Spritzengasse, Stadthausstraße, Steingasse, Umbach.

Wohngebäude, Büros oder kirchliche Einrichtungen werden ebenfalls aufgenommen, allerdings nicht in die Auswertung mit einbezogen.

Auswertung der erhobenen Daten
Die Anzahl der Ladengeschäfte hat sich insgesamt - seit Oktober 2004 - von 626 auf 644 erhöht. Im Vergleich zur Untersuchung vor einem halben Jahr (Oktober 2009) gingen drei Ladenflächen verloren. Von Oktober 2009 bis April 2010 stieg die Zahl der Leerstände im Untersuchungsgebiet von 29 auf 34 an. Dies liegt u.a. darin begründet, dass neben kompletten Geschäftsaufgaben und Neueröffnungen auch Umzüge von ganzen Ladeneinheiten, die derzeit gerade umgebaut werden (9), dazu gehören. Die Anzahl im Bereich der leeren Klein- und Kleinsträume steigt, während nahezu alle großflächigen Leerstände wieder besetzt wurden. 19 der bereits im März 2009 ungenutzten Geschäftsflächen blieben auch bis Oktober 2009 ungenutzt, die übrigen fünfzehn Leerstände entstanden an neuen Orten.

Vor allem die Gaustraße und Steinstraße ragen hierbei mit fünf bzw. zwei neuen Leerständen in der Entwicklung heraus. Es wird deutlich, dass vor allem die Randgebiete der Mainzer Citylage unter hoher Fluktuation und Leerständen leiden. Eine besonders positive Entwicklung hat im Untersuchungszeitraum hingegen die von Touristen stark frequentierte Augustinerstraße genommen, in der im April 2010 eine 100prozentige Auslastung der Ladenflächen zu verzeichnen war. Die übrigen neuen Leerstände verteilen sich zu gleichen Teilen über das Untersuchungsgebiet. Zieht man zugleich die bereits längere Zeit leerstehenden Geschäftsflächen hinzu, haben vor allem die Gaustraße (10), die Große Bleiche (4) sowie die Steinstraße mit fünf Leerständen ausreichend Potential für neue Mieter.

Das Schnellrestaurant „Sam’s & more“ und Filialen von „Werners Backstube“, „kik“ und „Rewe“ sowie der türkische Imbiss „Campus Döner“ sind neu in der Großen Bleiche. In der Augustinerstraße befinden sich drei neue Läden: Das Thailändische Restaurant „Thai Express Bar“, das Wohn- und Einrichtungsgeschäft „Schöne Dinge“ sowie der „Altstadt Juwelier“ schließen nun die letzten Lücken in der Augustinerstraße.

Direkte Geschäftswechsel ohne Leerstand konnten im gesamten Untersuchungsgebiet festgestellt werden, z.B. folgte Am Brand dem Geschäft für junge Mode „Xanaka“ nach kurzem Umbau eine Filiale des französischen Modelabels „GDM Grain de Malice“. In der Lotharstraße folgte dem „Vodafone“- Umzug eine Filiale des Fruchtgummiladens „Bären Company“. In der Großen Bleiche wurde eine Filiale von „Nordsee“ durch eine weitere Filiale der „Back Factory“ ersetzt.

Wehmeyer-Immobilie in 1A-Lage umgehend wieder veräußert
In den 1A-Lagen befindet sich seit der Schließung der Wehmeyer-Filiale Ende September 2008 eine attraktive Immobilie im Umbau. Damit ging der Stadt Mainz zwar eines von acht Kaufhäusern verloren, die Mainzer Wehmeyer-Immobilie war jedoch umgehend wieder veräußert - ein deutlicher Hinweis auf die hohe Attraktivität des Einzelhandelstandortes Mainz. Folgemieter sind der Drogeriemarkt „Müller“, die „Apotheke am Höfchen“ sowie Modeanbieter „s.Oliver“.
Auch die Römerpassage verzeichnet nach der Aufgabe des Schuhgeschäfts „Aerosoles“ und dem direkten Neueinzug durch den Accessoire-Laden „Pieces“ eine Auslastung von 100 Prozent. „Ulla Popken“ hat sich verkleinert und einen Teil der Flächen an „Baby Walz“ abgegeben. Die Räume der ehemaligen „Quelle“-Filiale in der Ludwigsstraße befinden sich bereits im Umbau, prominenter Folgemieter wird „Douglas“ sein.

Filialisierungsgrad bleibt fast unverändert gering
Der Filialisierungsgrad der Mainzer Innenstadt lag im April 2010 im gesamten Untersuchungsgebiet bei 34,9 Prozent (228 von 644 Geschäften). Er ist damit seit der letzten Erhebung im Oktober 2009 um sieben Filialen - die entspricht lediglich 0,7 Prozent - angestiegen.

Die Mainzer 1A-Lage (Am Brand, Stadthausstraße, Schusterstraße) hat aktuell einen Filialisierungsgrad von 81,4 Prozent (plus, 2,9 Prozent, vgl. Tab. 4). Dies liegt jedoch nicht in der Verstärkung der Filialisierung generell begründet, sondern an der Bereinigung bereits bestehender Geschäfte als Filialen. So werden seit Oktober 2009 auch das junge Modegeschäft „peoples place“, der „E-Plus“-Mobilfunkladen in der Stadthausstraße, sowie das Friseurzubehör- und Kosmetikgeschäft „Sally Beauty-Supply“ in der Schusterstraße zur Kategorie der Filialen gezählt.

Die jüngste Untersuchung des Geographischen Instituts der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zur Entwicklung der Mainzer City unter Leitung von Prof. Dr. Günter Meyer ergab, dass mehr als dreimal so viele Passanten wie vor zwei Jahren bemängeln, dass es „zu wenige Fachgeschäfte und Boutiquen“ gebe und dass „alteingesessene Geschäfte schließen“, während die Filialläden zunähmen und dadurch in der Mainzer Innenstadt die Monotonie ebenso wie in anderen Citys wachse.

Vergleicht man jedoch den realen Filialisierungsgrad der Mainzer 1A-Lage mit jenem der Schildergasse in Köln (92 Prozent) oder der Frankfurter Zeil (87 Prozent) zeigt sich: Mainz bleibt typisch Mainz - von einer uniformen Innenstadt kann demnach nicht gesprochen werden. In den Mainzer 1A-Lagen ist ein ausgewogener Branchen-Mix erhalten geblieben, Mainz wahrt folglich weiterhin seine Vielfalt als Einkaufsstandort, auch wenn die Wahrnehmung der Mainzer Konsumenten einen anderen Schluss zulässt.
Im Gegenteil: Hinsichtlich der Entwicklung der Cafés zeigt sich eher ein Trend zur „Defilialisierung“, beachtet man die Schließung zweier „Lavazza-Cafés“ in der Innenstadt, denen bereits im vergangenen Jahr zwei individuelle Cafés folgten. Mainz wahrt mithin weiterhin sein eigenes Profil und damit seine Vielfalt als Einkaufsstandort.

Mode- und Textilien wachsen - Mobilfunk schrumpft
Die Anzahl der Modegeschäfte ist insgesamt leicht gestiegen, die Geschäftsaufgaben wurden durch Neueröffnungen überkompensiert. So eröffneten u. a. „ONO KOON“ mit hochwertiger Bekleidung in der Augustinerstraße, „Madis“ in der Fischtorstraße sowie das Mode Outlet „Max & Why“ in der Lotharstraße.
Dem Aufwärtstrend der Mobilfunkläden der letzten Jahre folgt ein leichter Rückgang. Durch die Schließung des „vodafone“-Ladens in der Lotharstraße im Jahr 2009 stehen die 18 Mobilfunkläden der Innenstadt nun einer Konkurrenz weniger gegenüber.

Billigläden verlieren weiterhin an Boden
Bemerkenswert bleibt weiterhin der Rückgang der sogenannten Billigläden, deren Zahl zunächst von Oktober 2008 bis März 2009 von neun auf sieben Geschäfte - und aktuell auf nur noch fünf Geschäfte - zurückgegangen ist. Aktuell wirbt der „1€ Shop“ in der Schusterstraße mit einem Räumungsverkauf. Dies ist vor dem Hintergrund der anhaltenden Wirtschafts- und Finanzkrise überaus bemerkenswert.
Ob es sich bei diesem Rückgang um ein strukturelles Problem oder tatsächlich um die Folge der Wirtschaftskrise handelt ist aktuell schwer zu sagen, sollte man doch meinen, dass in Zeiten der Krise gerade Einzelhändler mit Schnäppchenangeboten eine große Zielgruppe ansprechen sollten. Der von Prof. Meyer durchgeführten Langzeitstudie folgend werden gerade die Ramsch- und Billigläden zunehmend von den Kunden abgelehnt.

Gastronomie stabil - in anderen Branche keine Auffälligkeiten
Im Gastronomiebereich hat sich wenig verändert, die Anzahl der Betriebe ist um zwei angestiegen. In der Regel scheinen es eher Cafés zu sein, die schnell weitervermietet oder neu gegründet werden, sei dies in der Betzelstraße das „Café Toscana“, die „Mainzer Kaffeemanufaktur“ oder der „Cha Punkt“, die „Teequelle“ in der Klarastraße oder die neu gegründete „Blum - Konditorei, Café, Chocolaterie“, welche die alten Räume der „Cuban Bar“ übernahm.
Die übrigen Branchen, wie zum Beispiel Dienstleistungsbetriebe, Bücherläden oder Nahrungsmittelgeschäfte zeigen keine auffälligen Veränderungen. Die Dienstleistungen in der Innenstadt nahmen zwar um 0,8 Prozent leicht zu, branchentypisch sind jedoch keine Besonderheiten in der Entwicklung auszumachen.

Umbauten belegen Interesse am Standort Mainz
Weiterhin gibt es eine Reihe von Baumaßnahmen in der Mainzer Innenstadt. Die Investitionen halten somit weiter an. Zurzeit befinden sich in der Mainzer Innenstadt neun Geschäfte im Umbau, darunter noch die ehemalige Wehmeyer-Filiale, das ehemalige „Quelle-Haus“ oder Ladenflächen in der Großen Langgasse.

Mainz engagiert sich weiterhin für gute Rahmenbedingungen für den Einkauf in Mainz. Die historisch gewachsene Struktur der Altstadt bietet dabei große Vorteile - der Kunde kann bei einem Besuch vieles entdecken. Zahlreiche Seitenstraßen laden zum Einkaufsbummel ein. Es bleibt dabei: es wird keine lineare Einkaufsstraße angeboten, die „abgearbeitet“ werden muss. Winkel und Ecken lassen Neues entdecken und machen den Einkauf zu einem kleinen „Erlebnis“.

Die Citymeile schafft darüber hinaus eine Struktur und sorgt für ein hochwertiges Erscheinungsbild. Die vorhandene historische Bausubstanz wird erhalten und aufgewertet (etwa Dalberger Hof), aber auch neue Anziehungspunkte geschaffen (Römerpassage/Am Brand/Korbgasse). Darüber hinaus bietet Mainz bei einem Innenstadtbesuch noch mehr. Der Wochenmarkt und viele größere und kleinere Feste bringen Abwechslung und Leben in die Stadt. Dieser bunte Mix schafft Lebensqualität und zieht Touristen an.
Auch wenn einzelne Randbereiche von einigen Leerständen betroffen sind, zeigt sich eine allgemein gesunde Struktur des Mainzer Einzelhandels in der Altstadt. Das Konsumklima in Mainz scheint demnach weiterhin von der Krise weitestgehend unberührt zu sein.

Das nächste Einzelhandelsmonitoring folgt im Oktober 2010.
Redaktion und Kontakt:
Stadtverwaltung Mainz,
Amt für Wirtschaft und Liegenschaften
Gabriele Ackermann
Leiterin der Abt. Wirtschaft
gabriele.ackermann@stadt.mainz.de
Tel.: 06131 / 122391


Pressekontakt: Stadtverwaltung Mainz (pressestelle[at]stadt.mainz.de)
www.mainz.de

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