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Internationaler Bahnlärm-Kongress 2010 in Boppard
Neue Perspektiven für den Güterverkehr der Zukunft
Vertreter von Bahnlärm-Initiativen aus ganz Deutschland trafen sich am Wochenende in Boppard. Zunehmender Verkehr, veraltete Züge und eine Gesetzgebung, die der Realität um Jahrzehnte hinterher¬hinkt, sind nach Aussage von Dr. Roland Diehl, Sprecher der Interessengemeinschaft Bahnprotest am Ober- und Hochrhein (IG BOHR), der Grund für den ersten Internationalen Bahnlärm-Kongress am 13. und 14. November in Boppard. Gerade die letzten Wochen hätten den Anwohnern am Mittelrhein noch einmal gezeigt, dass schon der derzeitige Bahnlärm für die Menschen unerträglich sei. Wenn sich der Verkehr und der Lärm wie geplant noch einmal verdoppelt, sei er nicht mehr menschenverträglich und müsse außerhalb von Wohngebieten erfolgen.Die Vorsitzende der Bundesvereinigung gegen Schienenlärm Sibylla Windelberg erläuterte dazu, dass der Verkehr von morgen strengen Umweltrichtlinien entsprechen müsse, da ansonsten unsere Regio¬nen unbewohnbar würden. Diesen neuen Regeln müsse insbeson¬dere auch die Bahn unterliegen, die bisher durch Schienenbonus und Bestandsstrecken-Schutz von den seit 1974 geltenden Richtlinien ausgenommen wäre. Das sei kein Nachteil, denn nur so habe die Bahn eine Chance, zu einem der wichtigsten Verkehrsmittel der Zukunft zu werden.
„Wir brauchen eine moderne und schnelle Bahn, die effizient und leise ist“, sagte auch Frank Gross, Sprecher von Pro Rheintal. Der Güterbahnverkehr produziere aufgrund hoher Achslasten und veralteter Fahrwerktechnik bei uns die höchsten Lärmpegel und braucht nach seiner Einschätzung eigene Trassen, die außerhalb von Wohnsiedlungen liegen sollten.
Die inzwischen bundesweit angeschlossenen Initiativen sind alle nicht gegen, sondern für die Bahn. Allerdings sei die derzeitige Güterbahn veraltet und man investiere das Geld der Steuerzahler nicht wie erforderlich in die Infrastruktur, moderne Fahrzeuge und Lärmschutz, sondern vielmehr in Prestigeobjekte und Unterneh¬menszukäufe. Dadurch entspreche die heutige Bahn im Güter¬verkehrsbereich nicht mehr dem gesetzlich geforderten Stand der Technik. Weder die Trassen noch die Fahrzeuge verkörperten den Stand der Technik, den man sich in Holland oder der Schweiz fertig gebaut oder installiert anschauen könne.
In Deutschland würden 90 Prozent der Güterwaggons noch gebremst wie Pferdekutschen aus dem 19. Jahrhundert. Das würde die Regionen in unzulässiger Weise verlärmen und die Menschen, die an Bahntrassen leben, gefährden.
Die Interessenabwägung zwischen denen, die den Transport wünschen und brauchen, und denen, die darunter leiden, habe rechtlich gesehen eine ganz entscheidende Komponente zugunsten der Leidtragenden, sagt Gross. Der Staat hätte, sobald die Gesundheit der Menschen beeinträchtigt wird, eine Schutz¬pflicht, die noch verstärkt wird durch eine Vorsorgepflicht. Hier würden die Grund- und Menschenrechte greifen, wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit und das Recht auf Eigentum. Beide Rechte würden durch den heutigen Verkehr mit 500 Zügen innerhalb von 24 Stunden und Lärmpegeln von bis zu 106 dB derart verletzt, dass eine weitere Duldung dieser Situation als fahrlässig einzustufen sei, meint Gross. Es seien unverzüglich Nachtfahrverbote und Tempolimits im Bereich der Ortschaften auszusprechen, ansonsten müssten sich die Verantwortlichen später dafür zur Rechenschaft ziehen lassen.
Der Beweis, dass Lärm die Menschen krank macht, sei hundertfach erbracht, erklärt der Pro-Rheintal-Vorsitzende, und man könne beim Umweltbundesamt, bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder bei der Europäischen Umweltagentur (EEA) in Form von veröffent¬lichten Studien nachlesen, welche schweren Krankheiten Dauerstress durch Lärm verursache. Dabei sei der Bahnlärm keineswegs eine Ausnahme, wie der immer noch gültige Schienenbonus suggeriere, sondern wäre ganz im Gegenteil, aufgrund steiler Anstiegskurven, höchster Lärmpegel und mittlerweile auch durch Dauerlärmbelas¬tungen im 3-Minuten-Takt, eine der gesundheitsschädlichsten Lärmarten überhaupt.
Für den Kongress am 13. und 14. November 2010 in Boppard habe man die führenden Wissenschaftler und Experten engagiert, um die gesundheitlichen, rechtlichen und technischen Zusammenhänge zu verdeutlichen. Es gehe jetzt darum, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wie den Betroffenen im Rheintal schnell geholfen werden könne. Der Bund sei hier verpflichtet und habe durchaus auch die Macht, durch Verkehrsregelung (Tempolimits, Nachtfahrverbote) dafür zu sorgen, dass die Bürger nachts wieder schlafen könnten und auch die Bahn ein tatsächliches Interesse an Lärmschutz bekomme.
Für das Obere Mittelrheintal haben die Fachleute im Netzwerk zusammen mit Landschaftsplanern aus München beispielsweise ein neues Multitunnelkonzept entwickelt. Ziel dabei sei, nicht nur den Güterverkehrslärm aus den Städten zu verbannen, sondern auch die Bahn schneller und effektiver zu machen. Das neue Konzept soll auf dem Kongress erstmals der Öffentlichkeit und den anwesenden Politikern vorgestellt werden.
Weitere Informationen unter:
www.bahnlaermkongress.de. oder
www.IBK2010.dePressekontakt: (info[at]pro-rheintal.de)
„Pro Rheintal“ Bürgernetzwerk
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