Geschlechtergerechtigkeit in der Klimapolitik
Ende dieses Jahres wird sich die Welt in Cancún (Mexiko) versammeln, um einen erneuten Anlauf für ein neues globales Klimaabkommen zu wagen. Wie wichtig, aber auch wie schwierig es ist, Geschlechtergerechtigkeit(Genderaspekte) in die Klimapolitik und vor allem die UN-Klimakonferenzen mit einzubringen, davon berichtete Ulrike Röhr, Mitarbeiterin von „genanet“ (Berliner Koordinations- und Servicestelle für den Themenbereich Geschlechtergerechtigkeit, Umwelt und Nachhaltigkeit) vor wenigen Tagen im gut besuchten Koblenzer Rathaus. Eingeladen hierzu hatten das Koblenzer autonome Frauenarchiv, die Fraueninitiative Lokale Agenda 21 und die Gleichstellungsstelle der Stadt Koblenz.
Der Klimawandel lässt sich nicht mehr verhindern, unklar ist nur das Maß der Auswirkungen. Die Erderwärmung schreitet fort, die Frauen im Süden wie im Norden, die generell weniger Emissionen verursachen, sind aber mehr gefordert, um mit den Auswirkungen fertig zu werden. Die Frauen im Süden z.B. durch längere Wege, um Wasser zu finden, mehr Zeitaufwand für die Versorgung der Familie, weniger Zeit für Bildung.
Laut Umfragen unter Frauen und Männern in Österreich, Deutschland und Schweden sind sich die Frauen im Norden in einem höheren Maße der Gefahr durch den Klimawandel bewusst, kritischer gegenüber der Regierungspolitik und eher bereit zur Veränderung der Lebensweise als Männer. Männer setzen vor allem auf technische Lösungen. Dabei bietet die von der Regierung favorisierte finanzaufwendige Co2-Abscheidung in die Erde ebenso wenig eine risikofreie Endlagerung wie die Atomkonzerne für den bisher weltweit produzierten Atommüll. Der dafür nötige finanzielle Aufwand könnte für die Förderung der erneuerbaren Energien eingesetzt werden. Für die Frauen im Norden bedeutet der Klimawandel die Gefahr der Rückkehr von Insekten, die Malaria verbreiten.
Im Gegensatz zu anderen UN-Konferenzen, in denen Genderaspekte diskutiert werden, sind sich KlimaexpertInnen und KlimaverhandlerInnen dieser Problematik überhaupt nicht bewusst.
Bereits bei der 1. Konferenz der Unterzeichnerstaaten der Klimarahmenkonvention in Berlin 1995 fand parallel das Internationale Frauenforum 'Solidarität im Treibhaus' statt, aber erst in Neu Delhi 2006 entstand auf Initiative von genanet das internationale Netzwerk GenderCC - Women for Climate Justice. Der Zusammenschluss mit anderen internationalen Frauenorganisationen wie z.B. WEDO aus den USA, die sich bereits 1992 gegründet haben, zu einem klimapolitischen Frauennetzwerk verhindert Konkurrenzverhalten untereinander, ermöglicht den Aufbau gemeinsamer Positionspapiere und gemeinsamer Strategien und bedeutet mehr Einfluss.
Kurz vor der Klimakonferenz in Kopenhagen, Ende 2009, wurden Frauenorganisationen, die sich mit Geschlechterfragen befassen, offiziell als eigenständige Beobachterinnengruppe der Klimarahmenkonvention anerkannt. Als Nichtregierungsorganisation haben die Vertreterinnen Rederecht, das sie sich noch mit anderen Organisationen teilen müssen.
Unterstützerinnen sind sicher willkommen.
Weshalb die Klimaverhandlungen in Kopenhagen im Dezember 2009, ebenso wie die Zwischenkonferenzen in Bonn im Juni und August 2010 so wenig greifbare Ergebnisse gebracht haben, liegt nach Meinung der Referentin an dem Festhalten von traditionellen Lösungsvorschlägen, die nötige fundamentale Veränderungen verhindern. Sie zitierte zum Abschluss den britischen Ökonomen Nicolas Stern: „Klimawandel ist das größte Versagen des Marktes, das die Welt je erlebt hat“ und Albert Einstein: „Wir können die Probleme nicht mit derselben Denkweise lösen, mit der wir sie geschaffen haben“.
In einer Presseerklärung nach der Beendigung der Klimaverhandlungen in Bonn bekräftigte das internationale Frauennetzwerk seinen Standpunkt: „Wir Frauenorganisationen glauben, dass die Grundlage eines Paradigmenwechsels ein besseres Verständnis der Geschlechteraspekte der Klimapolitik sein muss, ebenso wie eine Analyse der Machtverhältnisse innerhalb von Gesellschaften und Institutionen auf allen Ebenen.“
Leider blieb anschließend für dieses dringliche und brisante Thema zu wenig Zeit zum Diskutieren, das aber jede einzelne Zuhörerin des Abends noch weiter beschäftigen wird.
Die Folien des Powerpoint-Vortrages von Ulrike Röhr sind im Internet auf der Seite der Koblenzer Gleichstellungsstelle unter
www.frauen.koblenz.de einzusehen.Pressekontakt: Stadtverwaltung Koblenz (pressestelle[at]stadt.koblenz.de)
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