Einweihung Synagoge Mainz
Jahrhundertprojekt vollendet – Jüdisches Leben wieder mitten in Mainz
Die jüdische Gemeinde ist wieder sichtbar zurück im Mainzer Leben. Über 400 offizielle Gäste waren der gemeinsamen Einladung der Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Stella Schindler-Siegreich, von Ministerpräsident Kurt Beck und Oberbürgermeister Jens Beutel zur Einweihung der neuen Synagoge gefolgt. Bundespräsident Christian Wulff und der Israelische Botschafter Yoram Ben-Ze’ev nahmen an der Feier teil. Auch 47 ehemalige Mainzer Juden aus aller Welt kamen zu diesem besonderen Ereignis in ihre Geburtsstadt. Der Festakt mit dem Einzug der Torarollen in den Gebetsraum fand auf den Tag genau 92 Jahre nach der Einweihung der alten Hauptsynagoge statt, die 1938 von der Nationalsozialisten zerstört worden war. „Die neue Synagoge bedeutet für uns, die Jüdische Gemeinde Mainz, die unverbrüchliche Gewissheit, hier in der Landeshauptstadt ein Judentum auf Dauer aufbauen zu wollen. Auf diese sicherlich nicht immer einfache Aufgabe freuen wir uns und hoffen, alle unsere Vorhaben in dieser so schönen Synagoge verwirklichen zu können“, sagte Stella Schindler-Siegreich.
„Mit ihrer herausragenden Architektur wird die neue Synagoge weit über Mainz hinausstrahlen und der jüdischen Gemeinde mitten in unserer Stadt eine Zukunft geben“, so Ministerpräsident Kurt Beck. Er erinnerte an die große kulturelle und religiöse Tradition der jüdischen Gemeinde in Mainz. „Die Stuckateure haben hier im Gebetsraum zehntausende hebräische Schriftzeichen an die Wände gezaubert. Es sind Texte von Mainzer Rabbinern aus dem 11. Jahrhundert, die die Kultur und Lehre im abendländischen Judentum geprägt haben“, sagte der Ministerpräsident.
Der Landesregierung sei es ein besonderes Anliegen, die außergewöhnliche Bedeutung der drei SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz*, durch ihre Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe zu erhalten und bekannter zu machen. „Die neue Synagoge in Mainz erinnert an die Vergangenheit, sie markiert aber auch einen Neuanfang. Antisemitismus und Rechtsradikalismus haben keinen Platz in unserer Gesellschaft und werden entschieden mit rechtsstaatlichen Mitteln bekämpft. Möge die neue Synagoge nicht nur ein würdiger Ort des Glaubens, sondern auch eine Stätte der Begegnung, der Toleranz und Verständigung sein“, so Ministerpräsident Beck.
Oberbürgermeister Jens Beutel: „Für unsere Stadt mit ihrer großen jüdischen Geschichte ist dies ein Tag großer Freude. Mit der Vollendung dieses Jahrhundertvorhabens ist jüdisches Leben wieder sichtbar in unserer Stadt. Die jüdische Gemeinde hat einen würdigen Ort gefunden, an dem sie zusammenkommen, beten, lernen und feiern kann und der sie gemäß ihrer wichtigen Stellung in unserer Stadt angemessen repräsentiert.“ Das beeindruckende Bauwerk schließe den Wiederaufbau der Stadt ab und erneuere die Trias der religiösen Toleranz mit Dom und Christuskirche. Die neue Synagoge sei für Mainz in jeder Hinsicht eine Bereicherung und werde getragen von einem großen Bürgerengagement. „Es ist mir ein besonderes Anliegen, allen ganz herzlich zu danken, die sich für die Synagoge eingesetzt haben: den Kirchen, Institutionen, Verbänden und Gruppierungen, darunter der Verein ‚Eine neue Synagoge für Mainz’, die Stiftung ‚Magenza’ sowie Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland“, so Beutel. Sein besonderer Dank gelte aber der Jüdischen Gemeinde für ihre Offenheit und ihr Vertrauen, dass sie immer wieder vermittle und bekräftige.
* Nach ihren hebräischen Anfangsbuchstaben bezeichnete man die Städte Speyer, Worms und Mainz als SchUM-Städte.
Seit 1996 bestanden in Mainz Pläne für den Bau eines neuen jüdischen Gemeindezentrums am Standort der alten Hauptsynagoge. Der Kölner Architekt Manuel Herz gewann 1999 den Architektenwettbewerb; mit dem Bau konnte 2008 begonnen werden.
Die Form des Gebäudes ergibt sich aus den fünf Buchstaben des Wortes „Kedushah“, hebräisch für segnen, heiligen, erhöhen. Die Gestalt des 26 Meter hohen Turms ist einem Widderhorn, einem Schofar, nachempfunden. Die Außenwände der Synagoge sind komplett mit Keramik verkleidet.
Die Baukosten betragen rund zehn Millionen Euro und werden von Stadt und Land gemeinsam getragen. Die Jüdische Gemeinde trägt die Kosten für die Inneneinrichtung.
Hinweis:
Bilder von der Veranstaltung können Sie kostenfrei ab 14.00 Uhr unter
www.bildergalerie.rlp.de, im Ordner: Veranstaltung / Synagoge030910 herunterladen.Pressekontakt: Staatskanzlei Rheinland-Pfalz (pressestelle[at]stk.rlp.de)
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